D64

Aljechin, Alexander
Yates, Frederick

London (10)
1922


1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 d5 Indische Partie mit Uebergang ins Orthodoxe Damengambit. 4. Sc3 Le7 5. Lg5 O-O Schon jetzt steht Schwarz schlechter. Sein Damenlaeufer ist eingesperrt, waehrend der weisse gut im Spiel ist. Weiss braucht nur Entwicklungszuege zu machen, um seinen Vorteil zu verstaerken. 6. e3 Sbd7 7. Tc1 c6 8. Dc2 Te8 Die Zusammendraengung der Figuren auf einen Haufen ist immer ein schlimmes Zeichen. 9. Ld3 dxc4 Schwarz hat nur die Wahl zwischen unguenstigen Zuegen a6, mit der Absicht, durch dc, b5 und c5 Gegenspiel auf dem Damenfluegel zu erlangen, macht Weiss diesen Plan mit cd zunichte. Dann ist zwar der schwarze Damenlaeufer befreit, aber der Damenspringer steht schlecht, und Weiss hat ueberhaupt ein viel freieres Figurenspiel. 10. Lxc4 Sd5 11. Se4 Sehr gut ist auch der einfache Tausch auf 11. Lxe7 Dxe7 der allerdings die schwarze Dame entwickelt. Aber trotzdem steht Weiss dann ausgezeichnet, er hat ein Uebergewicht an Raum und Zeit. 11... f5? Dieser Bauernzug macht die Partie unhaltbar. Er macht den Bauern e6 rueckstaendig und schwaecht vor allem den Punkt e5, wo sich bald ein feindlicher Springer niederlaesst. Gerade in beengten Stellungen muss man sich vor solch schwaecheren Zuegen, die fast immer Bauernzuege sind, in acht nehmen. 12. Lxe7 Dxe7 13. Sed2 b5? Derselbe Fehler auf der anderen Seite! Der Punkt c5 unheilbar geschwaecht, und Weiss erhaelt die Herrschaft ueber die einzige offene Linie. Besser waer der Versuch, sich mit S7f6, Ld7, Tac8 und c5 zu entwickeln. obwohl auf S7f6 sofort der weisse Springer nach e5 eingedrungen waere. Befriedigende Zuege gab es nicht mehr, es handelte sich nur noch darum, das kleinste Uebel zuwaehlen 14. Lxd5 Wohlberechnet! Der Laeufer ist zwar die staerkere Figur, aber erstens ist er nicht staerker als ein Springer im Zentrum, und zweitens muessen die schwarzen Springer beseitigt werden, damit der weisse Springer, wenn er nach e5 oder c5 eingedrungen ist, nicht abgetauscht werden kann. 14... cxd5 15. O-O a5 16. Sb3! Weiss muss diesen Zug sofort machen, denn sonst verhindert ihn Schwarz durch a4. 16... a4 17. Sc5 Sxc5 18. Dxc5! Ja nicht mit dem Bauer nehmen, denn schwache Punkte, Luecken in der feindlichen Stellung muss man mit Figuren besetzen, nicht mit Bauern. Ausserdem koennte Schwarz nach dc? durch e5! den schwachen Punkt e5 wieder ausbessern. 18... Dxc5 19. Txc5 b4 Weiss ist nun bedeutend im Vorteil an Kraft, Zeit und Raum: an Kraft, denn er hat einen Springer, der sofort in die klassische Stellung gelangt, ins Zentrum gedeckt von einem Bauern und unvertreibbar. Ein solcher Springer ist erheblich staerker als ein Laeufer. An Zeit, der er hat zwei Figuren entwickelt, Schwarz noch gar keine - abgesehen von der Rochade, die ich hier nicht zaehle, weil sie sich fuer beide Teile ausgleicht. Und an Raum, weil Weiss die einzige offenen Linie beherrscht. 20. Tfc1 La6 21. Se5 Schwarz wuerde einen Teil des Vorteils neutralisieren, wenn er jetzt einen Turm opponieren koennte. 21... Teb8 21... Tac8 22. Txc8 Txc8 23. Txc8+ Lxc8 wuerde Weiss durch 24. Sc6 mit Doppelangriff Se7+ und Sxb4 einen Bauer gewinnen. Damit wuerde sich sein Uebergewicht an Raum in Kraft verwandeln. 22. f3 Jetzt handelt es sich noch darum, den Koenig ins Spiel zu bringen. 22... b3 23. a3 Nicht abtauschen! das wuerde dem Turm b8 die Linie oeffnen. 23... h6 Wenn Schwarz jetzt die Tuerme opponiert und tauscht. so bringt Weiss seinen Koenig nach b4 und den Springer nach c5 und erobert zunaechst den a-Bauer. 24. Kf2 Kh7 25. h4 Um das Eindringen des Koenigs nach f4 gegen g5 zu sichern. 25... Tf8 26. Kg3 Tfb8 Schwarz ist vollstaendig gelaehmt und kann nichts unternehmen. 27. Tc7 Endlich dringt der Turm auf die 7. Reihe ein, was wir von den typischen Angriffen des Mittelspiels her als entscheidend kennen. 27... Lb5 28. T1c5! Um durch den Angriff auf den Laeufer die Turmverdopplung auf der siebten Reihe durchzusetzen. Es droht z.B. Te7 Te8 Tf7 nebst T5c7. 28... La6 29. T5c6 Mit derselben Idee. Auf Tc8? wuerde nun Txa6! eine Figur gewinnen. 29... Te8 30. Kf4 Es konnte ebensogut Tf7 geschehen, denn die Turmverdopplung ist nicht zu verhindern. 30... Kg8 31. h5 Lf1 32. g3 La6 Der Laeufer kann nichts ausrichten, denn die feindlichen Bauern stehen fast alle auf schwarzen Feldern. Auf 32... Le2 wuerde Weiss den Bauern f3 durch 33. Sg6 Sh4 decken und mit Koenig nach e5 eindringen, was mindestens zur Eroberung des Bauern e6 fuehren wuerde. 33. Tf7 Kh7 34. Tcc7 Endlich ist die Turmverdopplung auf der 7. Reihe erreicht. 34... Tg8 35. Sd7 Droht durch Sf6+ die Qualitaet zu erobern. 35... Kh8 Nun folgt ein reizender, problemartiger Schluss. 36. Sf6 Tgf8 verbietet sich natuerlich, wegen 36... gxf6 37. Th7# 37. Txg7! Txf6 38. Ke5! Der Koenig ist eine starke Figur hier erobert er den Turm, denn zieht er nach f8 oder wird durch Taf8 gedeckt, so folgt Matt in zwei Zuegen. 1-0 [Dr. Tarrasch]


 C67

Tschigorin, Mikhail
Zukertort, Johannes Hermann

London (1)
1883


1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Sf6 4. O-O Sxe4 5. d4 Le7 6. d5 Der Bauernzug ist ungewoehnlich, aber nicht schlecht. Der gebraeuchlichtse Zug ist Der 6. De2 auch 6. dxe5 ist ganz gut. 6... Sd6 Dies ist die beste Antwort. Auf einen Laeuferzug soll e5-e4 folgen. 7. Lxc6 Dies verdirbt das weisse Spiel gruendlich, denn damit tauscht Weiss die beste Angriffsfigur gegen einen Springer ab und entwickelt dabei noch den Gegener, der das Tempo zur Freimachung seines Damenlaeufers ausnuetzt.Mit 7. Sc3 wuerde Weiss zwar auch einen an sich unguenstigen Tausch gestatten, aber dabei seine Entwicklung befoerdern und einige Angriffschancen erlangen. 7... dxc6 8. dxc6 Weiss kann das Spiel schon nicht mehr ausgleichen. Nach 8. Sxe5 cxd5 9. Dxd5 Le6 hat Schwarz die erheblich bessere Entwicklung und das Laeuferpaar. 8... f6! Ein ausgezeichneter Zug, mit dem Schwarz seine Zukunftshoffnung, eben den e-Bauer, einfach sichert. Viel schwaecher waere demselben Zweck 8... e4 wo er bald durch f2-f3 abgetauscht werden koennte. Schwarz hat jetzt eine kompakte Majoritaet der Bauern auf der Koenigsseite und zeigt vorbildlich, wie man verwertet. 9. cxb7 Wieder schlecht, denn damit entwickelt Weiss ja schon wieder den Gegner und zwingt den feindlichen Laeufer auf eine hoechst gefaehrliche Angriffslinie. Viel besser waer noch 9. Dd5 mit der Folge 9... bxc6 10. Dxc6+ Ld7 Das bessere Spiel haette Schwarz allerdings auch dann. 9... Lxb7 Schwarz hat nun ein Uebergewicht an Kraft, Raum und Zeit erlangt. An Kraft, denn er hat das Laeuferpaar; an Raum, denn er beherrscht vier Reihen, waehren Weiss auf drei beschraenkt und die vierte frei ist; oder, anders ausgedrueckt: er hat den Bauer e5 gegen den Bauer b2. Endlich an Zeit, da er drei Figuren entwickelt hat, waehrend von Weiss nur zwei Entwicklungszuege ersichtlich sind. Der wichtigste von allen diesen Vorteilen ist die Beherrschung des Zentrums. 10. Le3 Auf 10. Sc3 wuerde Schwarz den durch Sd5 drohenden Abtausch eines Laeufers mit Sf5 verhindern. 10... O-O 11. Sbd2 Der Springer strebt nach dem schwachen Punkt c5. Der schwarze Damenfluegel ist aufgerissen, die Bauern isoliert, und so haben sich dort auf c5, c6, a5 und a6 schwache Punkte gebildet, waehrend das weisse Spiel nirgends einen schwachen Punkt aufweist. Natuerlich ist das ein Nachteil von Schwarz, der aber durch die erwaehnten Vorteile seiner Stellung weit ueberkompensiert wird. 11... Sf7 12. De2 f5 13. Sb3 f4 14. Lc5 e4 15. Sfd4 f3 16. Db5 Dc8 17. Tfd1 La6 18. Da4 Sg5 19. Sxf3 exf3 20. Td7 fxg2 21. Txe7 Sh3+ 22. Kxg2 Sf4+ 23. Kf3 Dh3+ 24. Ke4 Lb7+ 25. Kd4 Se6+ 26. Kc4 Tf4+ 27. Sd4 Sxc5 28. Kxc5 Dh5+ 29. Kc4 Txd4+ 0-1 [Dr. Tarrasch]