Eröffnungen |
Bei der sizilianischen Eröffnung handelt es sich um eine halboffene Eröffnung, die im Gegensatz zu den offenen Spielen recht schnell zu scharfem Spiel führen kann. Von Sizilianisch spricht man, wenn die Züge 1.e4 c5 auf dem Brett erfolgt sind. Heute ist diese Eröffnung die meistgespielte, umso mehr ein Grund, sich intensiver mit ihr zu befassen. Es gibt unzählige Varianten, mit den Büchern über diese Verteidigung könnte man eine Bibliothek füllen. Thema dieses Artikels soll die Einführung in die Sweschnikow-Variante sein. Man findet diese Eröffnung auch unter dem Namen Lasker-Pilnik-Pelikan-Sweschnikow-Variante, doch gebührt GM Sweschnikow auf Grund großer Theoriearbeit die Ehre, dieser Variante ihren heute gebräuchlichsten Namen zu geben. Wie man in die Variante kommt:
1. e4 c5 2. Sf3 nun haben wir es mit einem offenen Sizilianisch zu tun, 2. Sc3 führt zum geschlossenen Sizilianisch. 2... Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Durch den Abtausch des weißen d-Bauers gegen den schwarzen c-Bauer ist es zu einer Zentrumsmehrheit von Schwarz gekommen. Er hat noch beide Zentrumsbauern, Weiß nur noch den Bauern e4. Zudem sind zwei halboffene Linien entstanden, die weiße d-Linie und die schwarze c-Linie. Dies ist typisch für Sizilianisch. Aber was sagen uns diese Tatsachen, welche Richtlinien gibt es hier? Da Schwarz im Zentrum einen Bauer mehr hat, sollen diese auch in Bewegung kommen, am besten wäre natürlich, wenn man e5 und d5 ungestraft spielen könnte. Merksatz: Es ist meisten vorteilhaft für Schwarz, wenn er ungestraft zu dem Durchbruch d5 gelangt, vor allem in der Sweschnikow-Variante. Des weiteren sind die halboffenen Linien zu beachten. Sie sollen später zum Tummelplatz der Schwerfiguren werden. Außerdem ist in unserer Stellung eine gewisse Spannung entstanden, beide Springer könnten sich gegenseitig schlagen. Würde Schwarz den Sd4 schlagen, wäre die weiße Dame auf einem guten Feld, von dem sie so leicht nicht mehr vertrieben werden kann. Schlägt Weiß den Sc6, nimmt man üblicherweise mit dem b-Bauer zurück und kommt nun viel leichter zum befreienden Vorstoß d5. Merksatz: Ohne guten Grund sollte weder Weiß noch Schwarz die Spannung von Sd4 und Sc6 auflösen. 4... Sf6 Entwicklung mit Angriff auf den Bauern e4. 5. Sc3 Weiß könnte auch f3 spielen, um den Bauern zu decken, aber das würde die Diagonale a7-b1 schwächen, was an der Ausführung an der kurzen Rochade hindern kann. 5... e6 Mit dem Zug e5 käme man direkter in die Sweschnikow-Variante, aber der Textzug stellt Weiß einige Fallen. Auch diese Stellung wollen wir näher betrachten, im folgenden schenke ich den schwarzen Ideen mein Hauptaugenmerk. Merksatz: Wenn Schwarz zu Lb4 kommt, hat er sehr gute Chancen, das Spiel auszugleichen oder sogar in Vorteil zu kommen. Weiß kann in dieser Stellung schon ganz schön danebengreifen, ich gebe einige Varianten zum Nachspielen (und am besten auswendig lernen) an: Der beste Zug für Weiß im letzten Diagramm ist 6. Sdb5 6. Lc4 Lb4 7. Sxc6 bxc6 8. Ld3 Lxc3+ 9. bxc3 Da5 Auf Grund der Bauernstruktur steht Schwarz in Ordnung. 6. Lg5 Lb4 7. Le2 Da5 Schwarz steht bereits besser, es droht auf c3 und der Lg5 ist ungedeckt. 6. Sxc6 bxc6 7. e5 Sd5 8. Se4 Dc7 9. f4 Db6 10. Ld3 La6 11. Lxa6 Dxa6 12. De2 Db6 Schwarz hat Ausgleich. Dies soll fürs erste genügen, weitere Varianten gibt's natürlich viele, sollen aber in Eigenarbeit ausgearbeitet werden. Auf d6 ist ein schwarzes "Loch entstanden; dort möchte sich der weiße Springer einnisten. Um dies zu verhindern, muss Schwarz nunselber 6... d6 Nun greift Weiß am besten mit 7. Lf4 den Bauern d6 erneut an, was Schwarz zur Reaktion 7... e5 zwingt. Weiß spielt nun 8. Lg5 und nun sind wir in der Grundstellung der Sweschnikow-Variante. Auch hier einige grundlegende Regeln für diese Stellung: Besonders auffällig ist der rückständige Bauer auf d6 und das schwache Feld d5. Der weiße Plan scheint einfach: Einen Springer nach d5 stellen, dahinter die Dame und die Türme stellen, irgendwann mit dem Sd5 etwas tauschen und dann den Knaben auf d6 verspeisen. Doch Herr Sweschnikow wäre bestimmt nicht Großmeister, wenn Schwarz hier einfach nur schlecht stehen würde und nicht doch ein paar Ideen hätte. Merksatz: Wenn Schwarz zu d5 kommt oder ein weißer Bauer auf d5 erscheint, hat Schwarz keine Sorgen mehr. Spielt er tatsächlich d5, hat er keine schwachen Bauern mehr und ist Weiß gezwungen, auf d5 mit dem e-Bauern wiederzunehme, ist d6 nicht mehr schwach, weil die Linie verstellt ist. Zur Erläuterung später mehr in den Beispielpartien. Auch auffällig in der Stellung ist die schlechte Position des Sb5. Er wird nun mit 8... a6 befragt und kann nur 9. Sa3 spielen. Mit 9... b5 droht eine Gabel auf b4 und Weiß muss reagieren. Nun scheiden sich die Geister! Zum einen kann Weiß gleich 10. Sd5 spielen, zum anderen erst mit 10. Lxf6 den Springer nehmen und nach 10... gxf6 11. Sd5 spielen. Es gibt beide Varianten, beide sind spielbar und erfordern einiges an Eigenstudium. An dieser Stelle können nur noch Beispielpartien helfen: * [Marc Rukwid]